Müschens Rosenapfel

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Im folgenden drei Beschreibungen:

Müschens Rosenapfel, * * ! † †, 6--8 W

Diese fast große, sehr schöne und ausgezeichnete Sorte erhielt mein Vater in Reisern von Diel mit dem falschen Namen "Weißer Sommer-Rambour". Da sie aber kein Rambour, sondern ein Rosenapfel ist, und in Berlin keiner der anwesenden Pomologen sie kannte, so benannte sie Herr Superintendent Oberdiek wie vorstehet, bis sich etwa der rechte Name noch findet.

Die Frucht ist in ihrer richtigen Größe 3 Zoll = 8 Ctm. breit und 2 ½ Zoll = 6 Ctm. hoch, hat sehr feine Haut von gelblichweißer Grundfarbe, die aber oft rundum bei beschatteten Früchten an der Sonnenseite mit schönem Carmoisin reich gestreift und getuscht ist, wodurch die Frucht ein sehr brillantes Ansehen erhält und zu den schönsten gehört, die ich kenne.



Müschens Rosenapfel: Reife Früchte

Das Fleisch ist schneeweiß, fein, weich und sehr saftvoll, mit pikant süßweinigem, erdbeerartigem Geschmack. Die Frucht ist zu allen Zwecken sehr vorzüglich und findet auf dem Markte reißenden Absatz, ist aber wegen ihrer Zartheit schwer zu transportiren.

Er ist zu seiner Zeit der beste Apfel und sollte in keinem Garten fehlen. Der Baum wächst fast in jedem Boden kräftig und gesund, wird groß und bald fruchtbar und bildet eine sehr schöne Kugelkrone, die mit den Zahlreichen schönen Früchten einen imposanten Anblick gewährt. Gedeiht selbst in nördlichen und sehr beschatteten Lagen noch gut.


aus: Johann Bogislav Müschen, Der Obstbau in Norddeutschland. Erfahrungen und Rathschläge für die allgemeine Einführung desselben, Stuttgart 1875, S.11 f.





Querschnitt

Müschen´s Rosenapfel, * * † †

Anf. und Mitte September, 5 - 6 W.
Diese, nach Herrn Organist Müschen in Belitz in Mecklenburg-Schwerin benannte Frucht, trug in Jeinsen wenig, blieb klein und mürbete schon Mitte August. So daß sie in trockenem Boden nicht zu pflanzen ist.
Herr Organist Müschen lobte die Frucht sehr und empfahl sie zur allgemeinen Anpflanzung. Auch aus Westpreußen erhielt ich von Herrn Pfarrer Grünholz zu Sianowo treffliche Früchte von Müschen´s Rosenapfel. Die sehr groß waren und recht edlen Geschmack hatten., und ich meine, daß ich auch schon aus Ostfriesland sehr gute Früchte der obigen Sorte erhielt, so daß die Sorte wohl überall in größerer Nähe der Ostsee und Nordsee sehr gedeiht und erst im September reift.
Da der Charmalowsky in großer Nähe der Ostsee und Nordsee zu scharf säuerlich ist, so ist in Westpreußen, ganz Mecklenburg und Ostfriedland Müschen´s Rosenapfel wohl die beste Frucht für Tafel und Haushalt im September.

Form flachrund, 2 ½ - 3 " (30 - 73 Mm.) breit und 1 ¾ - 2 " (42 - 49 Mm.) hoch.
Bauch ziemlich in der Mitte, nimmt nach beiden Seiten hin ziemlich gleichmäßig, oder nach dem Kelche hin nur etwas stärker ab und ist nur etwas abgestumpft.
Kelch klein, geschlossen, sitzt in etwas mäßig weiter Senkung, die allermeist Falten und Beulen nicht hat.
Stiel klein, meist der Stielwölbung nicht gleich stehend, sitzt in etwas enger, meistens glatter Höhle.
Schale fein, glatt, etwas fettig werdend, sehr schön, strohgelb bis weißgelb, ringsum mit vielen, meist lang abgesetzten Carmoisinstreifen gezeichnet und dazwischen noch sanfth roth angelaufen.
Fleisch schneeweiß, selten mit etwas rosenröthlichem Scheine, zart, Saftvoll, von köstlichem, erdneerartigem Geschmack.
Kernhaus gewöhnlich offen, mit hohler Achse, Kammern flach, mit wenigen, oft unvollkommenen Kernen.
Kelchröhre geht als Trichter bis auf das Kernhaus herab.
Reife in größerer Nähe der See Anfang bis Mitte Sept., hält sich 6 - 8 Wochen.

Baum wächst rasch, bildet sehr schöne kegelförmige Krone und trägt bald. Sommertriebe oben wollig, dunkel olivengrün, bräunlich überlaufen, mit ziemlich vielen Punkten. Blatt rundeiförmig, mit kurzer, schmaler Spitze, stumpf gekerbt.
Augen ziemlich stark, kahl.


aus: J.G.C. Oberdieck, Deutschlands beste Obstsorten, Anleitung zur Kenntnis und Anpflanzung einer, nach strenger Auswahl zusammengestellten Anzahl von Obstsorten mit besonderer Berücksichtigung derer, welche auch in trockenem Boden noch viele und gute Früchte liefern, oder nur in feuchtem Boden gut gedeihen, Leipzig, 1881, S. 455 f.



Müschen´s Rosenapfel.

(Rosena II, 3, c. m. * * † † September.)


Literatur und Synonyme:

1. Müschen.
Beschreibung d. Kern- und Steinobstsorten, II. Abth., pag. 222 als Weisser Sommer-Rambour.

2. Ill. Hdb. D. Obstk. Nr. 290.

3. Lauche, Dent. Pom. I, 98.

Gestalt:
flachrunder, schöngebauter Apfel; der Bauch sitzt nur wenig nach dem Stiele und wölbt sich die Frucht nach beiden Seiten ziemlich gleichmässig ab. Die Rundung ist durch über die Frucht laufende breite Erhabenheiten oft stark gestört. Unsere colorierte Abbildung ist nach einer mittleren Hochstammfrucht gezeichnet; in guten Jahren wird sie noch grösser.

Kelch:
geschlossen; Kelchblättchen fein, lange grün bleibend; sitzen in flacher, ziemlich enger, ebener, oder von Falten und Beulen u mgebener Kelchsenkung.

Stiel:
sehr kurz, holzig, sitzt in tiefer, enger, meist rostfreier Stielhöhle.

Schale:
fein, glatt oder schwach fettig, weißgelb, mit zahlreichen, lang abgesetzten, blutrothen Streifen besetzt, so dass die Frucht eine wahrhafte Zierde des Obstkorbes ist.

Fleisch:
schneeweiß, fein, saftvoll, nach dem Ill. Handbuche von pikantem, überaus köstlichem, erdbeerartigem Geschmacke.

Kernhaus:
hohlachsig; Kernhauskammern geräumig, enthalten viele, meist vollkommene Kerne; entgegen der Angabe des Illustr. Handbuches des Obstbaues.
Kelchröhre kegelförmig oder cylinderförmig, bis auf das Kernhaus herabgehend; Staubfadenstände oberständig.

Reife und Nutzung:
Ende August oder Anfang September reifend, hält sich die Frucht nur kurze Zeit, ist aber ihrer Güte und wahrhaften Schönheit zur Anpflanzung als Pyramide im Garten des Liebhabers wärmstens zu empfehlen, während zum Ausbau im Grossen, namentlich in wärmeren lagen, die Anpflanzung nicht besonders empfohlen werden kann.
Der Baum wächst kräftig, bildet eine schöne, kugelförmige Krone, ist sehr fruchtbar und wird für rauhe Lagen empfohlen.



aus: Prof. Dr. Rudolf Stoll (Hrsg.), Der Obstgarten. Illustrierte Zeitschrift für Obstbau, Sortenkunde und Obstbenutzung. Organ des Oesterreichischen Pomologen-Vereines. Vierter Jahrgang, Wien, 1882




wiedergefundenes 120jähriges Exemplar von Müschens Rosenapfel

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